{"id":244,"date":"2019-04-15T00:35:00","date_gmt":"2019-04-14T22:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtlandvolk.net\/?p=244"},"modified":"2020-09-15T16:31:27","modified_gmt":"2020-09-15T14:31:27","slug":"klassische-methoden-der-antifa-arbeit-interview-in-der-zeitschrift-lotta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtlandvolk.net\/?p=244","title":{"rendered":"\u201eKlassische Methoden der Antifa-Arbeit\u201c &#8211; Interview in der Zeitschrift Lotta"},"content":{"rendered":"\n<p>Bereits im April diesen Jahren haben wir der antifaschistischen Zeitschrift Lotta ein Interview gegeben, welches in Ausgabe #74 ver\u00f6ffentlicht wurde. Nachzulesen ist das Interview auch auf der <a href=\"http:\/\/www.lotta-magazin.de\/ausgabe\/74\/klassische-methoden-der-antifa-arbeit\">Homepage der Zeitung<\/a>, deren regelm\u00e4\u00dfige Lekt\u00fce wie Abonnement wir ausdr\u00fccklich empfehlen!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>\u201eKlassische Methoden der Antifa-Arbeit\u201c<\/strong><em>Interview mit der Kampagne \u201eStadt, Land, Volk\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lotta-magazin.de\/sites\/default\/files\/imagecache\/header-image\/header\/stadtlandvolk.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Seit M\u00e4rz 2017 berichtet die \u201eKampagne Stadt, Land, Volk\u201c \u00fcber extrem rechte Strukturen in Hessen. Schwerpunkt der Arbeit stellen Ver\u00f6ffentlichungen zu den Netzwerken der \u201eNeuen Rechten\u201c, Burschenschaften und der AfD auf dem Blog <a href=\"http:\/\/stadtlandvolk.noblogs.org\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">stadtlandvolk.noblogs.org<\/a> dar.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Kampagnenname \u201eStadt, Land, Volk\u201c ist ja etwas ungew\u00f6hnlich, was streckt dahinter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Name kann als Beschreibung unseres Untersuchungsfeldes gesehen werden. Es ist prim\u00e4r nicht relevant, ob jemand in der Stadt oder auf dem Land wohnt. Sowohl im l\u00e4ndlichen als auch im urbanen Raum k\u00f6nnen wir Akteure ausmachen, deren Vorgehen sie in unseren Fokus r\u00fccken l\u00e4sst. Wir thematisieren die Vernetzung und \u00dcberschneidung verschiedener extrem rechter Strukturen in Hessen, die durch ihren Netzwerkcharakter gepr\u00e4gt sind. Mit der Kampagne wollen wir geb\u00fcndelt Aufmerksamkeit auf das Thema und unsere Analyse lenken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was waren bisher eure wichtigsten Projekte?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Nachgang des Landeskongresses der Jungen Alternative (JA) 2017 in Marburg wurde uns eine Reihe an Fotos zugespielt, die deutlich zeigen, wie vermummte Nazis \u2014 Burschen, JA\u2019ler, EinProzent-Mitglieder und klassische Neonazis gemeinsam \u2014 Fotojournalist*innen auf offener Stra\u00dfe attackierten. (vgl. Lotta #67 S. 26) Dies zeigt exemplarisch die Treffgenauigkeit unserer Analyse: Faschisten aller Couleur schlie\u00dfen sich zusammen, um gegen als Feinde wahrgenommene Personen vorzugehen.<br>In einem ausf\u00fchrlichen Dossier haben wir die weitergehenden faschistischen T\u00e4tigkeiten etlicher Burschen der Germania Marburg, der Rheinfranken Marburg und der Normannia Leipzig zu Marburg aufzeigen k\u00f6nnen. Beispielsweise bei Heinrich Mahling, dessen Wechsel zur Germania Marburg und f\u00fchrende Rolle bei den \u201eIdentit\u00e4ren\u201c in Hessen dargestellt wurde.<br>Im Vorfeld der Bundes- bzw. Landtagswahl haben wir etliche Bundes- bzw. Landtagswahlkandidaten der AfD in einer Brosch\u00fcre kritisch vorgestellt. Von den Brosch\u00fcren wurden jeweils mehrere tausend Exemplare gedruckt und \u00f6ffentlich ausgelegt, so dass sie gro\u00dffl\u00e4chig in Hessen verteilt werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Reaktionen gab es auf eure Arbeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir vermuten, dass es einige Anzeigen aufgebrachter Rechter, die durch unsere Arbeit ihre Pers\u00f6nlichkeitsrechte verletzt sahen, gab. Ansonsten waren die Reaktionen aber durchweg positiv: Wir haben es geschafft, die Antifa-Arbeit in der Region kontinuierlich fortzusetzen und zu verbessern und konnten durch unsere Berichterstattung Aufmerksamkeit auf rechte Strukturen lenken. Unsere Kampagne erreichte bundesweite Bekanntheit, und von Journalist*innen, Zeitungen und linken Projekten wurde auf uns Bezug genommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihr legt euren Fokus immer wieder auf extrem rechte Burschenschaften. Welche Rolle spielen diese in rechten Netzwerken in Hessen und dar\u00fcber hinaus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Extrem rechte Burschenschaften sind als R\u00fcckgrat der \u201eNeuen Rechten\u201c zu sehen. Sie sind nicht nur Mitorganisatoren des Rechtsrucks, sondern treiben ihn aktiv voran. Sie fungieren als Bindeglied zwischen verschiedenen extrem rechten Organisationen, bieten personelle Kontinuit\u00e4ten und stellen f\u00fcr sie wichtige Infrastruktur. Burschenschaften haben die R\u00e4ume, das Geld und die entsprechende Sozialisation, inklusive passendem reaktion\u00e4ren M\u00e4nnlichkeitsbild.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihr st\u00fctzt euch in der Arbeit gegen die sogenannte \u201eNeue Rechte\u201c vor allem auf ausf\u00fchrliche Recherchen, Hintergrund\u00ad\u00ad-infos und auch Outings. Wieso habt ihr euch f\u00fcr diese Form entschieden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klassische Methoden der Antifa-Arbeit erscheinen uns nach wie vor am sinn- und wirkungsvollsten \u2014 nat\u00fcrlich nicht, ohne diese in der jeweiligen Situation konkret zu hinterfragen. Wir schauen uns nicht nur an, was die einzelnen rechten Organisationen machen, sondern nehmen die einzelnen Personen unter die Lupe. Dadurch, dass wir die einzelnen Akteure aus der Deckung holen, erhalten wir mehr Erkenntnisse und versprechen uns wesentlich mehr Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Oktober 2018 waren Landtagswahlen in Hessen. Wie habt ihr den Wahlkampf (insbesondere der AfD) wahrgenommen? Wie sah eure Arbeit dazu aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gab tausende Brosch\u00fcren zu etlichen AfD-Kandidaten mit Adresse und kurzem Lebenslauf, die hessenweit verteilt wurden. Das sorgte f\u00fcr jede Menge Furore und hatte mehrere Zeitungsartikel zur Folge. Die AfD spricht hier von \u201egef\u00e4lschten Lebensl\u00e4ufen\u201c, dem k\u00f6nnen wir entschieden widersprechen. Unter anderem unsere Arbeit hat dazu gef\u00fchrt, dass die AfD zum Beispiel in Marburg keine R\u00e4ume f\u00fcr Veranstaltungen bekam und auch keine Wahlkampfst\u00e4nde aufgebaut wurden. Das zeigt, wie wirkungsvoll Antifa-Arbeit Nazis den Raum nehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welchen Einfluss wird der Einzug der AfD ins Parlament auf rechte Strukturen in Hessen eurer Meinung nach haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die AfD wird einerseits Posten und Geld erhalten, andererseits durch Gremienarbeit die Arbeit linker, antifaschistischer und feministischer Projekte behindern k\u00f6nnen. Au\u00dferdem wird ihre Stimme h\u00f6rbarer und parlamentarisch legitimiert, obwohl sich personell nichts ver\u00e4ndert hat und es immer noch die gleichen Faschist*innen und Nazis sind, die jetzt aber im Parlament sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nach dem Einzug in den hessischen Landtag sitzt die AfD in allen Landesparlamenten, in Sachsen zeichnet sich demn\u00e4chst sogar eine m\u00f6gliche Regierungsbeteiligung ab. Wie kann antifaschistische Arbeit gegen eine Rechte mit starkem parlamentarischen Arm aussehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Recherchezusammenh\u00e4nge wie wir ben\u00f6tigen die Hilfe von zivilgesellschaftlichen Akteuren, die unsere und andere Rechercheergebnisse in die Parlamente und Gremien einbringen und thematisieren. Es sollten nicht nur eine handvoll Antifas wissen, wer die rechten Akteure sind, sie sollten auch an ihrem Arbeitsplatz und in ihrem Privatleben damit konfrontiert werden. Unser Mittel des antifaschistischen Kampfes ist die Recherche, wenn Antifaschist*innen aus unserer Arbeit anderweitige Konsequenzen ziehen, begr\u00fc\u00dfen wir das aber ausdr\u00fccklich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen euch Menschen unterst\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir freuen uns am meisten, wenn Menschen unsere Rechercheergebnisse lesen und nutzen, um Nazis \u00fcberall und mit allen Mitteln das Leben schwer zu machen. Dar\u00fcber hinaus hilft es sehr, wenn uns Infos \u00fcber Rechte zugespielt werden, da wir nat\u00fcrlich auch nicht alles wissen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Pl\u00e4ne habt ihr f\u00fcr die Zukunft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden weitermachen wie bisher und die \u00fcblichen Akteure weiter genau im Blick behalten. Au\u00dferdem wollen wir, wenn m\u00f6glich, unseren Beobachtungsradius erweitern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wollt ihr noch irgendwas loswerden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir bedanken uns bei allen, die uns bisher Informationen gegeben haben, ohne eure Hilfe w\u00e4re diese Kampagne nur halb so gut. Nat\u00fcrlich danken wir auch der Lotta f\u00fcr das Interview. Gr\u00fc\u00dfe und Dank gehen raus an alle Genoss*innen, die Nazis bek\u00e4mpfen, diesen den Raum nehmen, auf die Pelle r\u00fccken, sie aus der Anonymit\u00e4t holen und die sich nicht unterkriegen lassen. Bleibt stabil!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Interview!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits im April diesen Jahren haben wir der antifaschistischen Zeitschrift Lotta ein Interview gegeben, welches in Ausgabe #74 ver\u00f6ffentlicht wurde. Nachzulesen ist das Interview auch auf der Homepage der Zeitung, deren regelm\u00e4\u00dfige Lekt\u00fce wie Abonnement wir ausdr\u00fccklich empfehlen! \u201eKlassische Methoden der Antifa-Arbeit\u201cInterview mit der Kampagne \u201eStadt, Land, Volk\u201c Seit M\u00e4rz 2017 berichtet die \u201eKampagne Stadt, Land, Volk\u201c \u00fcber extrem rechte Strukturen in Hessen. Schwerpunkt der Arbeit stellen Ver\u00f6ffentlichungen zu den Netzwerken der \u201eNeuen Rechten\u201c, Burschenschaften und der AfD auf dem Blog stadtlandvolk.noblogs.org dar. Der Kampagnenname \u201eStadt, Land, Volk\u201c ist ja etwas ungew\u00f6hnlich, was streckt dahinter? Der Name kann als Beschreibung unseres Untersuchungsfeldes gesehen werden. Es ist prim\u00e4r nicht relevant, ob jemand in der Stadt oder auf dem Land wohnt. Sowohl im l\u00e4ndlichen als auch im urbanen Raum k\u00f6nnen wir Akteure ausmachen, deren Vorgehen sie in unseren Fokus r\u00fccken l\u00e4sst. Wir thematisieren die Vernetzung und \u00dcberschneidung verschiedener extrem rechter Strukturen in Hessen, die durch ihren Netzwerkcharakter gepr\u00e4gt sind. Mit der Kampagne wollen wir geb\u00fcndelt Aufmerksamkeit auf das Thema und unsere Analyse lenken. Was waren bisher eure wichtigsten Projekte? 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