{"id":220,"date":"2018-10-11T22:00:12","date_gmt":"2018-10-11T20:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtlandvolk.net\/?p=220"},"modified":"2020-09-15T16:33:56","modified_gmt":"2020-09-15T14:33:56","slug":"was-passiert-wenn-neonazis-raum-bekommen-sie-nutzen-ihn-zur-frankfurter-buchmesse-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtlandvolk.net\/?p=220","title":{"rendered":"Was passiert wenn Neonazis Raum bekommen? Sie nutzen ihn! Zur Frankfurter Buchmesse 2017"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>11.10.2018<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gek\u00fcrzte Version; Original in der Swing 205; 2017 erschienen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/stadtlandvolk.noblogs.org\/files\/2018\/10\/Wurm_Buchmesse_sw.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-651\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei der letztj\u00e4hrigen Buchmesse in Frankfurt versuchten extrem Rechte den ihnen gebotenen Raum zu dominieren. Der Fotograf <em>Protestfotografie FFM<\/em> twitterte w\u00e4hrend des Samstags: \u201eIch werde hier beleidigt, bedroht und bedr\u00e4ngt. Vom Bedrohungslevel f\u00fchlt sich die Book_Fair [Buchmesse] an wie ein rechter Aufmarsch\u201c. Der Einsch\u00e4tzung l\u00e4sst sich durchaus folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits w\u00e4hrend der Fachbesucher*innentage wurden die St\u00e4nde der <em>Amadeu Antonio Stiftung<\/em> und der <em>Bildungsst\u00e4tte Anne Frank<\/em> von Personen oder Sympathisanten des nahe gelegen Standes vom <em>Antaios-Verlag<\/em> eingesch\u00fcchtert und bedroht. Bei Veranstaltungen versuchten eben diese, auch den Raum f\u00fcr sich zu beanspruchen oder zu st\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/stadtlandvolk.noblogs.org\/files\/2018\/10\/Frankfurter-Buchmesse-Kubitschek-Sellner_sw.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-648\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Samstagnachmittag war der H\u00f6hepunkt von Auseinandersetzungen. Nachdem neben weiteren rechten Verlagen dieses Jahr auch der <em>Antaios-Verlag<\/em> auf der Buchmesse stand, gab es die gesamte Woche \u00fcber vielf\u00e4ltige Proteste. Neben abger\u00e4umten St\u00e4nden bei <em>Manuscriptum<\/em> und <em>Antaios<\/em>, sowie kleineren Demos von Mitarbeiter*innen des B\u00f6rsenvereins hatten schon zuvor Verlage, Schriftsteller*innen und Wissenschaftler*innen in einem offenen Brief die Buchmesse aufgefordert, Rassist*innen keine B\u00fchne auf der Buchmesse zu bieten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image wp-image-650 size-medium\"><figure class=\"alignright\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/stadtlandvolk.noblogs.org\/files\/2018\/10\/Schr\u00f6der_Zeise_sw-300x232.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-650\"\/><figcaption>Patrick Schr\u00f6der<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>War die Zahl der Zuh\u00f6rer*innen am Gespr\u00e4ch \u00fcber das Buch <em>Finis Germania<\/em> des <em>Antaios-Verlages<\/em> in der Halle 4.2. <em>Forum und Wissenschaft<\/em>\u201c am Freitag noch \u00fcbersichtlich, glich der Verlagsstand am Samstag einem who-is-who der extrem Rechten Gruppen und Parteien. So plauderte bereits am Nachmittag <em>Bj\u00f6rn H\u00f6cke<\/em> mit <em>G\u00f6tz<\/em><em> Kubitschek,<\/em> w\u00e4hrend die <em>Identit\u00e4ren<\/em> von <em>Kontrakultur Halle<\/em> sich als Security aufspielten bzw. vermutlich mit dieser Aufgabe betraut waren. Zun\u00e4chst etwas abseits stand eine Gruppe um <em>Maximilian Reich (JN<\/em><em>)<\/em> und <em>Patrick Schr\u00f6der<\/em>, bis Letzterer freundschaftlich von <em>Martin Sellner (IB \u00d6sterreich)<\/em> begr\u00fc\u00dft wurde. <em>Patrick Schr\u00f6der<\/em> ist Betreiber des extrem rechten Medienportals <em>FSN-TV <\/em>und Mitorganisator von Rechtsrockevents in Themar.<br>F\u00fcr Au\u00dfenstehende wirkte es wie ein gro\u00dfes \u201eFamilientreffen\u201c: Da gr\u00fc\u00dften sich <em>Identit\u00e4re<\/em>, Mitglieder der <em>Jungen Alternative<\/em> und militante Neonazis. Es wurde offensichtlich, was Antifaschist*innen schon lange klar ist: Man kennt sich und in der Euphorie der aktuellen Stimmung r\u00fcckt die Rechte zusammen, schlie\u00dflich gibt es nicht nur einen gemeinsamen Nenner. Der Protest gegen die Veranstaltung mit den <em>Neurechten Martin Semlitsch aka Lichtmesz<\/em> sowie <em>Caroline Sommerfeld-Lethen<\/em> konnte von den Rechten unterbunden und werden, Demo-Plakate wurden zerrissen und mit Sprechch\u00f6ren gewannen die Rechten bald die Oberhand zur\u00fcck. Gegenprotesteierende wurden von vorn von der Polizei abgeschirmt und von hinten von einer Gruppe um <em>Manuel Wurm <\/em><em>(JA Hessen)<\/em> und <em>Justin Salka (JA RLP)<\/em> angegangen. Die Besucher*innen vor der B\u00fchne skandierten dazu \u201eJeder hasst die Antifa\u201c.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/stadtlandvolk.noblogs.org\/files\/2018\/10\/IMG_3776_sw-241x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-649\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Erst die letzte Veranstaltung, eine Buchvorstellung mit den <em>Identit\u00e4ren Martin Sellner<\/em> und <em>Mario M\u00fcller<\/em>, konnte aufgrund der massiven Gegenproteste nicht mehr stattfinden. Als die beiden auf die B\u00fchne stiegen, hallte es durch den Raum \u201eHalt die Fresse\u201c. Versuche, dies zu \u00fcbert\u00f6nen, blieben zun\u00e4chst erfolglos. Vereinzelt kam es vor der B\u00fchne zu Handgreiflichkeiten. <em>Sellner<\/em> und <em>M\u00fcller<\/em> z\u00e4hlten beide zur Besatzung des <em>IB-Schiffs C-Star<\/em>. <em>M\u00fcller<\/em> war dar\u00fcber hinaus fr\u00fcher aktives Mitglied bei der <em>NPD-Jugendorganisation JN<\/em> und sympathisiert offen mit der ukrainischer Neonazi-Miliz <em>Asow<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Tumult versucht der Direktor der Buchmesse die Veranstaltung f\u00fcr beendet zu erkl\u00e4ren. Hier wurde nochmal deutlich, wer an diesem Abend das Heft in der Hand hatte: <em>Kubitschek<\/em> lie\u00df den Direktor der Buchmesse nicht zu Wort kommen und dr\u00fcckte einfach das Megaphon zur Seite.<br>Im Anschluss lie\u00dfen es sich <em>Patrick Schr\u00f6der<\/em> und der NS-Rapper <em>Mich<\/em><em>al Zeise aka Mic Revolt<\/em> nicht nehmen, sich demonstrativ an den verlassenen Stand der <em>Amadeu-Antonio Stiftung<\/em> zu setzen und feixend Erinnerungsfotos zu schie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Allgemein wurde die Bedeutung der Buchmesse f\u00fcr die Rechte untersch\u00e4tzt. Eine Situation, in der extreme Rechte aller Couleur einen ganz Saal dominieren und Antifaschist*innen sich bedroht f\u00fchlen, hat es in Frankfurt lange nicht gegeben. <em>G\u00f6tz<\/em><em> K<\/em><em>ub<\/em><em>itschek<\/em> feierte die Buchmesse in einem Interview als einen wahnsinnigen Erfolg f\u00fcr die intellektuelle Rechte und den ersten Schritt \u201eNormalit\u00e4t herzustellen\u201c und einen rechten intellektuellen Diskurs in der Gesellschaft zu verankern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/stadtlandvolk.noblogs.org\/files\/2018\/10\/BM_sw.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-647\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11.10.2018 Gek\u00fcrzte Version; Original in der Swing 205; 2017 erschienen. Bei der letztj\u00e4hrigen Buchmesse in Frankfurt versuchten extrem Rechte den ihnen gebotenen Raum zu dominieren. Der Fotograf Protestfotografie FFM twitterte w\u00e4hrend des Samstags: \u201eIch werde hier beleidigt, bedroht und bedr\u00e4ngt. Vom Bedrohungslevel f\u00fchlt sich die Book_Fair [Buchmesse] an wie ein rechter Aufmarsch\u201c. Der Einsch\u00e4tzung l\u00e4sst sich durchaus folgen. Bereits w\u00e4hrend der Fachbesucher*innentage wurden die St\u00e4nde der Amadeu Antonio Stiftung und der Bildungsst\u00e4tte Anne Frank von Personen oder Sympathisanten des nahe gelegen Standes vom Antaios-Verlag eingesch\u00fcchtert und bedroht. Bei Veranstaltungen versuchten eben diese, auch den Raum f\u00fcr sich zu beanspruchen oder zu st\u00f6ren. Der Samstagnachmittag war der H\u00f6hepunkt von Auseinandersetzungen. Nachdem neben weiteren rechten Verlagen dieses Jahr auch der Antaios-Verlag auf der Buchmesse stand, gab es die gesamte Woche \u00fcber vielf\u00e4ltige Proteste. Neben abger\u00e4umten St\u00e4nden bei Manuscriptum und Antaios, sowie kleineren Demos von Mitarbeiter*innen des B\u00f6rsenvereins hatten schon zuvor Verlage, Schriftsteller*innen und Wissenschaftler*innen in einem offenen Brief die Buchmesse aufgefordert, Rassist*innen keine B\u00fchne auf der Buchmesse zu bieten. Patrick Schr\u00f6der War die Zahl der Zuh\u00f6rer*innen am Gespr\u00e4ch \u00fcber das Buch Finis Germania des Antaios-Verlages in der Halle 4.2. 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